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08.03.2020

Lesezeit: etwa 3 Minuten

Energiewende darf Grundlastfähigkeit nicht aus dem Auge verlieren

Keine Kohleverstromung, mehr E-Mobilität, aber kaum Gaskraftwerke

Sascha A. Roßmüller

Der Kohleausstieg wird zunehmend konkret festgenagelt, Wind und Sonne sollen künftig die Basis des Industriestandortes Deutschland sein.Das erste Braunkohlekraftwerk soll demzufolge noch in diesem Jahr abgeschaltet werden und Ende 2038 wäre es dann endgültig zu Ende mit der Kohleverstromung, evtl. schon 2035. Diese klimapolitisch begründete Maßnahme gilt mit Bedacht angegangen zu werden, betrifft sie doch Arbeitsplätze im fünfstelligen Bereich und birgt nicht zuletzt die Gefahr, einer Deindustrialisierung Vorschub zu leisten. Dem soll entgegengewirkt werden, indem 26 Milliarden Euro Steuergelder für direkte Investitionen des Bundes und 14 Milliarden Euro Bundeshilfen für die betroffenen Länder für einen wirtschaftlichen Transformationsprozess in die Hand genommen werden. Allerdings schätzt Klaus-Heiner Röhl, Experte für Strukturwandel am Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, die Chance auf eine sämtliche Kohleregionen umfassende Ansiedlung großer Industriebetriebe nicht allzu hoch ein, da ohne Förderung in Westdeutschland solche nicht ohne Weiteres zu erwarten sein dürften. Ganz abgesehen davon, dass abzuwarten bleibt, inwiefern benötigte förderpolitische Ansätze überhaupt mit dem EU-Beihilferecht kompatibel sind.Zeitlich zum Kohleausstieg parallel verlaufende beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren für Industrie- und Gewerbeflächen sind bislang ohnehin noch nicht im Gespräch, folgt man der anlässlich eines Treffens von Bürgermeistern aus deutschen Braunkohleregionen am 20. Januar im Burgenlandkreis geäußerten Kritik.

Auf Unterstützung aus Brüssel im Zuge Ursula von der Leyens „EU-Green Deal“ dürfen die deutschen Kohleregionen aufgrund der voraussichtlichen EU-Kriterien hingegen kaum hoffen. Wichtig ist für Brüssel nur, dass Deutschland sich bei der vorgesehenen Erhöhung des EU-Budgets mit einem erhöhten Anteil seines Bruttoinlandsprodukts weiterhin spendabel zeigt. Altmaier behauptet, dass Ausstiegsgesetz schaffe nicht nur Rechtssicherheit und Planbarkeit, sondern stelle zugleich die Versorgung mit Strom sicher. Ob jedoch die Kompensation eines Ausstiegs aus Kernenergie und Kohleverstromung mit den nicht grundlastfähigen Energiequellen Wind- und Solarstrom als realitätsbasierte Energiepolitik angesehen werden kann, darf kritisch hinterfragt werden. Zumal, da aufgrund des anvisierten Ausbaus der E-Mobilität der Strombedarf nicht weniger werden wird. Die Politik muss sich den Vorwurf gefallen lassen, zu wenig auf Gas als Energieträger gesetzt zu haben.Auch die Deutsche Energieagentur (DENA) bemängelte in ihrem jüngsten Zwischenbericht zur 2018er-Leitstudie zu den Energie- und Klimazielen, dass zwischen 2015 und 2018 trotz verbesserter Marktlage keine Gaskraftwerke in Betrieb genommen wurden. Gaskraftwerke wären ebenso wie die Geothermie zumindest grundlastfähig.

Dem Umweltbundesamt zufolge setzt die Braunkohle mehr als 1,1 Kilogramm CO2je Kilowattstunde Strom frei, während bei der Verbrennung von Erdgas nur 374 Gramm entstehen. Dies ist zwar nicht CO2-neutral, entspräche allerdings mehr den energiepolitischen Anforderungen einer Industrienation. Jedoch ist vielmehr zu befürchten, dass die Bundesregierung tatenlos zusehen wird, wie die USA das Nord Stream 2-Projekt torpedieren. Zur Vermeidung von Luftschadstoffemissionen leistet auch die Tiefengeothermie einen positiven Beitrag, da sie nach Abschluss der Bohr- und Bauphase einen annähernd emissionsfreien Betrieb aufweist. In Deutschland liegen beispielsweise im Norddeutschen Becken, im Oberrheingraben sowie im süddeutschen Molassebecken geeignete Standorte. Trotz großer technischer Potenziale entwickelt sich laut aktueller Studie vom November 2019 zur Emissionsbilanz erneuerbarer Energieträger des Umweltbundesamts (UBA) die geothermische Stromerzeugung in Deutschland jedoch aufgrund wirtschaftlicher Restriktionen nur langsam. Mit Blick auf die Stromerzeugung durch ebenfalls grundlastfähige Biomasseheizkraftwerke - 2018 wurden dadurch Treibhausgasemissionen in Höhe von ca. 7,19 Mio. t CO2-Äq. vermieden – belegt das UBA für die zurückliegenden Jahre ebenfalls eine Stagnation.

Mehr als verwunderlich ist, dass seitens der „Klimaschützergemeinde“ nichts über den am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in Betrieb gegangen Prototyp einer Power-to-Liquid-Anlage zu vernehmen ist, die in vier Schritten Kraftstoff aus Wasser, Ökostrom und Kohlendioxid (!) produziert. In einem von einem Dresdner Unternehmen entwickelten Verfahren werden die beiden Prozesse der Elektrolyse, bei der Wasserstoff entsteht, und dessen anschließende Reaktion mit Kohlendioxid kombiniert, um Synthesegas zu erhalten. Anschließend werden in einem optimierten Fischer-Tropsch-Verfahren Treibstoffe gewonnen. Je nach Prozessanwendung entstehen Benzin, Diesel oder Kerosin, somit würde sogar klimaverträgliches Fliegen ermöglicht. Man kann sich teilweise des Eindrucks nicht erwehren, als ginge es der etablierten Politik nicht um die Energiewende, sondern die De-Industrialisierung Deutschlands.

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